Epoche des frühen 18. Jh. PDF Drucken E-Mail
Kursachsen zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde regiert von August dem Starken und war noch arg gebeutelt von den Wirren des 30-jährigen Krieges und den Auswirkungen mehrerer Pest- Epidemien in Deutschland. Zu Tausenden wurden die Menschen durch die Krankheit dahin gerafft und die Städte und Dörfer verloren eine Unzahl an Bewohnern.

An Entwicklung und Verbesserung der Lebensverhältnisse war kaum zu denken, da auch bereits der lange Krieg vorher den Menschen alles genommen hatte. Die großen Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz erholten sich dank reger Wirtschafts- und Handelstätigkeit etwas schneller, wie die ländlichen Regionen. Insbesondere Leipzig entwickelte sich durch die regelmäßigen Warenmessen zur Handelsmetropole ersten Ranges und viele Orte an den Handelsstraßen profitierten am regen Warenaustausch. Der Bergbau war ebenfalls noch recht profitabel und es entwickelte sich das Handwerk in umfassender Weise. In Ost- und Mittelsachsen wurden Vorstufen der Textilwirtschaft wirksam, die sich ertragreich durchsetzen konnten.

Der Landesherr sah die Notwendigkeit der Organisation des Handelsnetzes im Kurfürsten-tum. Dazu war eine Neuvermessung des Territoriums erforderlich und eine Karthographierung wurde angestrebt. Durch den Ausbau der Botendienste zwischen den Herrscherhäusern und zwischen den einzelnen Verwaltungen (Städte, Dörfer, Kirche etc.) entwickelte sich ein Postdienst, den es ebenfalls zu organisieren galt. Daraus resultierend wurde späterhin eine funktionierende Fahrpost zur Beförderung von Fahrgästen notwendig. Für all diese Dienste war ein Orientierungssystem im Lande erforderlich.

Im Jahre 1713 beauftragte Kurfürst Friedrich August I. (August der Starke) den ehemaligen Pfarrer von Skassa bei Großenhain, Adam Friedrich Zürner mit der Vermessung und Kartographierung des Kurfürstentums. Dieser hatte sich mit kartographischen Arbeiten empfohlen und er übernahm die Aufgabe, die zu seinem Lebenswerk wurde.

1721 forderte der Landesherr durch den “Codex Augustheus” die Einrichtung von steinernen Säulen als Postmeilensystem im gesamten Herrschaftsgebiet. Die Konstruktion der Säulen soll auf Anregungen des Kurfürsten selbst und vermittels bautechnischer Vorschläge Pöppelmanns als damaliger Landesarchitekt zurückzuführen sein. Genaueres ist jedoch nicht bekannt oder noch nicht ausreichend erforscht.

Zürner verantwortete die exakte Vermessung der Postrouten, die Kennzeichnung der Standorte für die Säulen und setzte die Herstellung und Einrichtung der Säulen mit den jeweiligen Stadträten durch. Er legte ebenfalls die Angaben und Inhalte der Schriftblöcke auf den großen Distanzsäulen fest.

Bis 1750 waren ca. 1700 Säulen aller Arten im Kurfürstentum gesetzt und wiesen den Fuhrleuten, Boten und Händlern der damaligen Zeit sicher den Weg. Damit war ein Orientierungssystem geschaffen, dass ein großes Territorium überspannte und selbst grenzübergreifend Richtungshinweise ermöglichte. In dieser Form bildeten die kursächsischen Postmeilensäulen auf der Welt einmalige Funktionalität zur Unterstützung des Post- Handels- und Verkehrswesens.

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